Zwischen Kunst und Vandalismus: Street Art in Österreich (profil.at)

Graffiti-Künstler erregen in Österreichs Städten Aufsehen – und oft massiven Unmut. Die Szene ist klein, aber hochaktiv. Eine Spurensuche zwischen Kunst und Vandalismus, Legalität und Kriminalität.
Von Hannah Schifko
Wenn die Straßenbahn mit der Nummer 67 die Wiener Raxstraße passiert, sieht man das Monument zum ersten Mal. Wie eine Festung blitzt es hinter Schrebergartenhäuschen und Heckengrün hervor, wie würfelförmiges Katzengold baut es sich vor einem auf, wird größer, sperriger, immer wuchtiger, um bei der Haltestelle Sahulkastraße schließlich in seiner glanzlosen Pracht zu erstrahlen: der Karl-Wrba-Hof, jener Gemeindebau, den man auch „Senfkistl“ nennt – ein verwinkelter, verschachtelter Komplex aus den 1980er-Jahren, mit Balkonen, Terrassen und Türmen, mittendrin ein Kindergarten, eine Volksschule, mehrere Arztpraxen. Eine Stadt in der Stadt, mit 3000 Einwohnern in bis zu achtstöckigen Flachbauten: außen senfbraun, innen senfbraun, dazwischen betongrau und etwas grasgrün – Farben, gegen die sich zu behaupten nicht einfach ist. Im Bewohnerzentrum des Gemeindebaus hat man es mehrmals versucht, hat ein paar Wände rot, grün und blau streichen lassen. Ohne große Wirkung.
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Graffiti Artist Vinzenz K: „Puber hat uns geschadet“ (profil.at)

Schon als Teenager begann Vinzenz K., illegal Züge und U-Bahnen zu bemalen. Ein Gespräch über Sucht-Kicks, Mal-Drang und Kunstwertvernichtung.
Interview von Hannah Schifko
profil: Graffiti ist kein Hobby für Zartbesaitete. Wie sind Sie dazu gekommen?
Vinzenz K.: Ich fand diese quietschvergnügten Bilder und schwer zu entziffernden Buchstaben aufregend. Ich dachte: Aha, so kann man Buchstaben auch malen! Ich habe mich dann lange damit beschäftigt, weil man Graffiti-Maler ja nicht über Nacht wird. Das muss man sich erarbeiten und erkämpfen. Erst fängt man an, die Schulbank zu bemalen – und plötzlich hält man Dose und Lackstift in der Hand. Und ehe man sich’s versieht, sprüht man auf einen Zug, spielt Katz und Maus mit der Polizei oder der Security.
profil: Also mehr Sucht als Hobby?
Vinzenz K.: Suchtpotenzial hat das Sprayen definitiv. Aber es ist nicht so, dass ich ständig den Kick brauche. Aber wenn man in der Früh am Bahnhof wartet, todmüde, alles Grau in Grau – und plötzlich fährt so eine Farbbombe ein, auf die Kinder zeigen, Jugendliche ihr Smartphone richten, und ältere Leute beginnen zu grinsen, dann widerspricht das doch dem öden Vorurteil, dass Graffiti unerwünscht und hässlich seien.
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