DATEN (augmatic.org)

„The word “tag“, at least in the way we mostly use it today, has actually been “invented” by graffiti and street artists. It’s something like the signature of the artist, a short graphical logo to credit their work.
I just recently read, that one of the first graffiti tags appeared in Philadelphia around the late 1960s. A guy, who wanted to impress a lady just sprayed his name and the one of his crush on her desk and all over buildings on her way to school.
Today, tagging has become a mainstream technique in street art and has even arrived in everyday language (not only english) – at least for those somewhat familiar with the world wide web and blogging software.
To get back to street art: some artists even use their tag as their main artwork and artistic motif. In Vienna, one of those artists is “Daten” (“Data”). His tags can be found all over Vienna, but I think especially around subway stations or subway lines.
“Daten” is not your typical cool underground artist name – it’s an omnipresent buzzword in the datadriven place we live in on the one hand, and it’s a very profane, shallow and anti-poetic noun on the other hand.
I’ve found two versions of the tag: big, clunky letters rich in color and detail like the one depicted here. And then there are the simplistic one-liners, quickly drawn unto a random wall. Of course, I have no idea what the artist behind really wants to express or how he/she got to use “Daten” as their main tag. But I do like the physical presence his/her messages in public space give to the abstract and intangible thing “data” – invisible and intangible even though no-one would doubt its power and impact on our every move today …“
Quelle: augmatic.org / typemuseum.com

Vergängliche Kunst (mokant.at)

Zwischen Selbstüberhöhung und verbotenen Orten: Schlaglichter aus Wiens Graffiti-Szene
Die Gesichter sind verhüllt. Niemand würde sie erkennen. Es geht um Minuten und Sekunden. Mehr Zeit haben sie nicht. Ihr lauter Herzschlag ist die motivierende Musik. In jedem Augenblick könnte ein Security auf sie aufmerksam werden und sehen, was sie mit dem Wagon anstellen. Nervös schütteln sie die Farbdosen. Blau, Grün, Gelb, Pink, Violett, Rot – ihre bunten Farbwaffen sind bereit zum Abschuss. Jemand presst seinen zitternden Zeigefinger auf den Druckknopf der Farbdose, das Ventil öffnet sich und die Farbe beginnt ihr Spiel mit den Luftpartikeln. Mit kreisenden, hektischen Bewegungen malt er seinen Namen auf den glänzenden Wagon. Die Farben vermischen sich und werden eins.
Szenen wie diese spielen sich in Wiens Straßen und U-Bahn-Stationen beinahe täglich ab. Graffiti sind vom Stadtbild genauso wenig wegzudenken wie Fiaker, Würstelstände oder der Stephansdom. Besprühte Fassaden, Parkbänke und Mülltonnen begegnen den Bewohnern auf ihren alltäglichen Wegen und hinterlassen die verschiedensten Eindrücke – Empörung, Begeisterung, Gleichgültigkeit. Nicht erst seit der umstrittene Sprayer Puber seinen Schriftzug in der ganzen Stadt verbreitet, gehen die Meinungen zur Grafffiti-Szene auseinander. Nur selten bleibt jedoch jemand stehen und denkt darüber nach, wie ein bestimmtes Bild entstanden ist oder was es bedeutet.
Graffiti als Unterschrift
Für Patrick S. (der lieber anonym bleiben möchte) sind Graffiti mehr als Farbschichten auf der Wand. „Wer sich in der Szene auskennt, liest ein Graffiti wie eine Unterschrift. Mit etwas Übung kann man erkennen, wer es gemacht hat, welcher Crew er angehört und wie erfahren er ist.“ Der 26-Jährige ist selbst seit einigen Jahren als Sprayer aktiv – eine Tatsache, die man dem Wiener Studenten mit dem aufmerksamen Gesicht und der unauffälligen Kleidung nicht sofort ansieht. Mit seiner leisen Stimme und seiner bedachten Art entspricht er nicht dem Klischee eines narzistischen Randalierers. Sein Sprayername besteht nur aus vier Buchstaben: kurz und knapp, gemalt in wenigen Sekunden. Diesen hat er mittlerweile an vielen Stellen verbreitet. Er ist fasziniert von der Idee, eine fremde Stadt zu besuchen und dort auf Schriftzüge von Freunden zu stoßen.

Dieses Markieren von Orten mit dem eigenen Namen wird in der Szene taggen genannt. Es hat seinen Ursprung im New York der 1980er-Jahre. Das Phänomen begann mit einem Fahrradboten, der sein Kürzel während der täglichen Route auf zahlreichen Wänden hinterließ. Dieses Vorgehen wurde oft kopiert, wobei die Tags immer kreativer und aufwändiger wurden. Hauptgedanke dabei ist, den eigenen Namenszug überall in der Stadt und an so riskanten Orten wie möglich anzubringen.

Schweizer Sprayer Puber macht sich Feinde
Wer zurzeit in Wien mit offenen Augen durch die Straßen geht, kommt am Pseudonym Puber kaum vorbei. Der Schweizer Sprayer wird längst per Haftbefehl gesucht und gilt als besonders respektlos, da er auch Werke anderer Tagger übersprüht. Damit bricht er ungeschriebene Regeln der Graffiti-Szene und ist auch bei Patrick S. unbeliebt: „Puber übertreibt maßlos, schmiert an Schaufenster und kennt keine Abgrenzung. Ich kann nachvollziehen, dass er seinen Namen überall sehen möchte, aber das kann man auch anders machen, dezenter.”
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Den kompletten Artikel gibt es hier.